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Beinahe wäre „Gegenteil von Stadt“ ein vergessenes Album geworden. Denn die Mitglieder der Band bergen (das Verb, nicht die Stadt!) sind allesamt Teil des emsigen sächsischen Musiker- und Kreativenkollektivs Kumpels and Friends (kumpelsandfriends.com ) und spielen gleichzeitig in bemerkenswerten Dresdner Bands wie The Gentle Lurch (Schinderwies Productions, neues Album Mitte 2009) oder Garda (K&F/Schinderwies, Debütalbum Oktober 2008). Und da in jeder dieser Bands bekanntlich geprobt, aufgenommen, gemischt und getourt werden wollte, musste „Gegenteil von Stadt“ eben ein kleines Weilchen warten. Schlecht werden Songs ja gottlob nicht.
Entstanden ist „Gegenteil von Stadt“ wie die Alben der beiden Schwester-Bands: ohne Zeitnot, von den Musikern selbst aufgenommen im gemeinschaftlichen Probenkeller in Dresden. Nur zum Mischen und Mastern gab man das Album schließlich in professionelle Hände. Als man es von dort wieder zurück bekam, war aus einer Platte, die man eher so für sich und die eigene Eitelkeit aufgenommen hatte, eine Platte geworden, die zu gut zum Vergessen oder zum Auf-Konzerten-Verschenken war.
Die Lieder auf „Gegenteil von Stadt“ sind einfach. Obwohl man sich selbst gerne als Indiefolk-Band bezeichnet, ist immer eine große Kelle Pop dabei. Wenig Strukturbrüche und Verwerfungen, sondern klare Linien und Melodien, die dafür aber haften bleiben. Wer möchte kann das gerne als naiv bezeichnen. Wahrscheinlich ist das ohnehin die wahrste Aussage, die man bezüglich bergens Musik überhaupt treffen kann. Nicht nur, dass hier neben knarzigen Gitarren und Bässen zuweilen Glockenspiele, Klarinetten, Melodikas, Bababa-Singstimmen, Streicher und schmeichelnde Bläser am Werk sind, auch textlich sind viele der Lieder mindestens mit dem Wort ‚sonderbar’ zu beschreiben. Vieles bleibt abstrakt, manches könnte man einfältig nennen, anderes erscheint, als wäre es in der Privatsprache eines Liebespaares formuliert.
Oder als Tagebucheinträge vielleicht, die dem Schreiber urplötzlich in den Sinn schießen, so dass er sie niederkritzeln muss. Für sich alleine ergeben sie zunächst wenig Sinn, zusammengenommen allerdings erzählen die windschiefen Metaphern dann von der Sehnsucht nach verhuschten Orten außerhalb der großen Städte, vom Wunsch nach Wärme, Geborgenheit und Nicht-Vergessen-Werden sowie einer Sehnsucht nach unbeschwerten (Jugend-)Zeiten, die so wohl nicht wiederkommen werden. bergen sind Romantiker, ihr Album hat seine eigene Sprache. So etwas findet sich selten in der deutschen Popmusik.
Bereits 2005 schrieb die Süddeutsche Zeitung über ein Konzert der Mittzwanziger: „Die Band bergen aus Dresden macht genau die Musik, die Element of Crime machen würden, wenn sie zwanzig Jahre jünger wären. Hin und Gründungsfan werden!" Diesen Rat haben mittlerweile erfreulicherweise einige Menschen befolgt und sich in den Folgejahren immer wieder in E-Mails erkundigt, ob das mit dem Debüt-Album auch nicht vergessen würde. Wurde es nicht. Hier ist „Gegenteil von Stadt“.
bergen-macht-musik.de myspace.com/bergenmachtmusik
Pressefotos: Bild 1 Bild 2 Bild 3 Credits (alle): Jenny Ulrich
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